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Her mit dem sozialen Zentrum – Häufig gestellte Fragen

29.04.2015

Verfasst von: radikale linke | berlin (Account: radikale linke berlin). Verfasst am: 29.04.2015 – 16:20. [INDYMEDIA LINKSUNTEN]
Her mit dem sozialen Zentrum! 1. Mai 2015

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, beschäftigen wir uns mit dem Vorhaben ein soziales Zentrum in Berlin zu schaffen. Wir haben in mehreren Texten angerissen, warum dies für uns, auf Grund unserer Erfahrungen und Einschätzungen, derzeit politisch Sinn macht sich mit einem solchen Projekt zu beschäftigen.

Wir denken, dass ein erneuter Anlauf für ein soziales Zentrum insgesamt auf recht positive Resonanz gestoßen ist. Gleichwohl erreichten uns viele Nachfragen, darüber, wie wir uns dieses Ding denn eigentlich vorstellen. Darauf wollen wir kurz reagieren, soweit uns das beim derzeitigen Stand unserer Debatten, möglich ist.

Denkt ihr denn wirklich, ihr könnt euch am 1. Mai ein Haus holen und dieses dann auch behalten?

Nein, davon gehen wir nicht aus. Wir glauben, dass es eine lange und mit viel Ausdauer zu betreibende Kampagne sein wird, um uns das Zentrum zu schaffen. Wir wollen die Möglichkeit der revolutionären 1. Mai Demonstration nutzen, dieses Vorhaben breit zur Diskussion zustellen und bekannt zu machen. Am 1. Mai werden wir also wahrscheinlich noch nicht unser Ziel erreichen, sondern die ersten Schritte auf dem Wege dorthin gehen. Gleichzeitig erhoffen wir uns, dass durch eine mögliche soziale Aneignung die1.-Mai-Demonstration weiter repolitisiert wird und sich weiter entwickelt. Das wird ebenfalls ein langer Weg, in den möglichst viele Strukturen Ideen einbringen sollten, dies ist unserer kleiner Beitrag dazu. Allein die Ankündigung unseres Vorhabens hat ja schon einigen Wirbel verursacht, mal schauen wie es weitergeht.

Wie stellt ihr euch so ein Zentrum überhaupt vor, wenn ihr´s einmal habt?

Wir wollen kein weiteres linkes Wohnprojekt. Wir denken, dass diese ihre Berechtigung haben und wichtig sind. Was wir jedoch wollen, sind Orte von denen aus eine Politisierung von Kiezen erfolgen kann und die offen für die Bedürfnisse der Nachbarschaft sind, in der sie stehen. Es soll ein Treffpunkt der unterschiedlichen Menschen werden, der Ort muss belebt werden von ihren Vorstellungen und Utopien. Wir betrachten deshalb dieses Zentrum auch nicht als Gruppenangelegenheit, sondern wollen es zusammen mit anderen Initiativen und Einzelpersonen betreiben. Wir haben einige Ideen, wie wir uns in einem solchen Zentrum verwirklichen können. Die reichen von Sportangeboten über juristische Beratung, Sprachkursen bis zu politischen Veranstaltungen. Denkbar ist jede Art von Selbstorganisierung die die Menschen benötigen. Vor allem soll es aber ein Ort werden, der sich staatlicher Kontrolle entzieht und nicht wie ein beliebiges staatlich subventioniertes Stadtteilzentrum aussieht, wo die einzelenen Projekte von dem Wohlwollen der Stadt und ihren Gelbgebern abhängt. Es soll ein Ort werden wo Kämpfe gebündelt, geplant und unterstützt werden können, ein Ort an welchem sich eine Gesellschaft ohne kapitalistische Verwertung, kurz eine revolutionäre, entwickeln kann. Wie genau aber das Zentrum aussehen wird, wird sich letzten Endes im Prozess seiner Entstehung entscheiden und daran, wer sich an selbigem beteiligt. Wir haben einen solchen Diskussionsprozess in unserem beschränktem Rahmen bereits begonnen. Diesen wollen wir nun mit und nach dem 1. Mai ausbauen und verbreitern.

Ihr stellt die Losung „Her mit dem sozialen Zentrum“ in den Kontext des Kampfes gegen steigende Mieten, Verdrängung und Gentrifizierung. Ändert ein „soziales Zentrum“ da wirklich etwas?

Natürlich ist ein soziales Zentrum nicht die alleinige Antwort auf diese Prozesse. Uns geht es um die Wiederherstellung einer revolutionären Kultur in Bezirken, in denen wir denken, dass es ein soziales Milieu gibt, in dem das Sinnmacht. Das muss dann auch nicht Kreuzberg sein. Um eine radikale Linke zu verankern, muss sie letztlich nützlich sein für die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen. Wer je in Griechenland, Spanien, der Türkei war, als die Aufstände der vergangenen Jahre dort stattfanden, weiß, dass die Linke dort nicht durch Besserwisserei oder subkulturelle Abschottung stark geworden ist, sondern weil sie in Teilen der Gesellschaft akzeptiert war und man wusste: Es ist besser, dass diese Leute hier sind, als wenn sie nicht hier wären. Das ist das Einfache, das schwer zu machen ist –und genau das wollen wir versuchen: Wir wollen als radikale Linke eine tatsächliche Verankerung, aus der eine Gegenmacht erwachsen kann. Dafür braucht es Infrastruktur, auch in Gestalt von Orten, an denen unterschiedlichste Angebote gemacht werden, man ansprechbar ist und gemeinsam mit den Menschen um einen herum einen Austausch startet. Durch solche Gespräche werden sich gemeinsame Bedürfnisse und Wünsche abzeichnen. Um diese dann aber auch zu realisieren, werden wir Platz brauchen. Die Infrastruktur, die dafür benötigt wird, wollen wir in kleineren und größeren Projekten aufbauen, ein soziales Zentrum ist ein Schritt in diesem Konzept.