Jugendblock auf der 1. Mai Demo

jugendblock-1-mai-demo-2015-berlin

Gegen die Seuche des Kapitalismus –
Jugendblock auf der Revolutionären 1.Mai-Demo

von und mit

ver.di Jugend Berlin/Brandenburg
Antifaschistische Linke Jugend Berlin
Junge GEW/ GEW-Studis Berlin
SDAJ Berlin
Refugee Schulstreik Berlin
Linksjugend [solid] Berlin Kreuzkölln

Aufruf:

„Deutschland muss wieder mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“ (Joachim Gauck)
„Die Grenzen Europas abzuriegeln, ist weder politisch noch moralisch eine Lösung.“ (Horst Köhler)
„Wir werden gemeinsam […] illegale Einwanderung bekämpfen.“ (Angela Merkel)
„Wir sind nicht das Sozialamt der Welt.“ (Horst Seehofer)

Die Liste der oben genannten Zitate könnte noch endlos weiter geführt werden. Sie sind nur ein kleines Beispiel dafür wie häufig Dinge versprochen, revidiert und umgekehrt werden. Welche Interessen werden dabei verfolgt, wer wird für Probleme zur Verantwortung gezogen und was haben wir davon?
Krieg und Armut verursachen Flucht, Flucht verursacht Geflüchtete, Geflüchtete verursachen – ja was eigentlich? Die Antwort auf diese Frage ist in den Augen des ein oder anderen patriotischen Europäers recht einfach beantwortet: Kriminalität, Drogen, Frauenverachtung, Unterdrücken alteingesessener Traditionen. Allen möglichen Studien die das Gegenteil belegen zum Trotz, sind sich Pegida, Legida, Bärgida und co. sicher: Geflüchtete insgesamt, allen voran aber diejenigen mit muslimischem Glauben, sind der Untergang der Zivilisation und an allem Schuld. Leere Sozialkassen, Ausbildungs- und Arbeitsplatzmangel, organisierte Gewalt und Kriminalität, Wohnraummangel. Alles läuft in ihren Augen in Heimen für und bei Asylsuchenden zusammen. Das führt unter anderem dazu, dass im vergangenen Jahr die Angriffe auf Heime für Asylbewerber und die Ressentiments gegen Geflüchtete massiv zugenommen haben. Auch hier in Berlin tut sich in jedem Bezirk eine Gruppe „besorgter Bürger“ hervor, die „solche“ Leute nicht in ihrer Nachbarschaft haben möchten. Willkommen in Deutschland, willkommen im Kapitalismus.
Das in Hellersdorf, Buch und anderen Bezirken, 23 Jahre nach dem Pogromen von Rostock-Lichtenhagen und 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus, wieder Heime und Menschen aufgrund ihrer Herkunft massiv angegriffen werden, wollen wir nicht ohne Protest hinnehmen.
Hört man sich die Geschichten der Geflüchteten an, merkt man nichts von Sozialschmarotzern, Kriminellen und Frauenfeinden. So gut wie alle werden verfolgt oder sind auf der Flucht vor Krieg, Armut und Zerstörung.
Und in den meisten Fällen hat die Bundesregierung irgendwie ihre Finger mit im Spiel. Sei es durch direkte Beteiligung, wie beispielsweise im Nahen Osten oder dem Kosovo-Krieg, der tausende von Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt hat. Oder durch Waffenlieferung an Regierungen, die bei geringster Kritik durch Folter oder Todesstrafe direkt hart durchgreifen (z.B. Saudi-Arabien, Quatar). Oder sei es durch indirekte Unterstützung im Rahmen der EU und NATO, wenn etwa Bundeswehrsoldaten einheimische Streitkräfte ausbilden sollen.
So sieht also die Verantwortung aus: Kaputt machen, Demokratie verteidigen, mit den Folgen für die dort lebenden nichts zu tun haben. Es sind ja sowieso alles Terroristen und Sozialschmarotzer, so zumindest – wie man an den Zitaten oben sieht – eine weit verbreitete Auffassung. Wir verraten dann mal niemandem, dass die zum Teil hochqualifizierten Geflüchteten gerne arbeiten würden, jedoch nicht dürfen, da sie einem Arbeitsverbot unterliegen. Sollen sie doch in ihre „sicheren Drittstaaten“ zurückgehen, ökonomischer Untergang und Verfolgung hin oder her.
Da kann die Bundeskanzlerin noch so viele Neujahrsansprachen halten, in denen sie mehr Menschlichkeit und soziales Miteinander fordert. Solange die BRD eine Politik verfolgt, die auf Krieg und Profitinteressen ausgelegt ist, wird es immer Geflüchtete geben. Und solang sie im
inneren immer weiter eine Politik der Niedriglöhne, unsicheren Arbeitsverhältnisse, ein schlechtes Bildungssystem, soziale Spaltung und mangelnden Ausbildungsplätzen fördert, reproduziert dies auch weiter Rassismus.
Der Mensch ist auch ein Produkt seiner Umgebung. Egal, ob ich aus guten sozialen oder aus ökonomisch schwachen Verhältnissen komme – in einer Gesellschaft, in der der Gedanke der Solidarität häufig tief unter dem Konkurrenzdruck und der Ellenbogen untergegangen ist, hat man wenig Sympathie für diejenigen über,
denen es schlechter geht. Eher im Gegenteil. In einem Staat der sich Aggression nach außen und Repression nach innen fährt, überträgt sich dies schnell auf die Leute die hier Leben – Durchsetzen gegen andere, treten nach unten.
Wie wäre es mal mit mehr Geld für Ausbildungsförderung, statt den milliardenschweren Etat der Bundeswehr Jahr für Jahr weiter zu erhöhen? Oder dafür zu sorgen, dass internationale Entwicklungshilfen wirklich bei den Menschen ankommen. Man erntet, was man sät. Wer Krieg sät, erntet Flucht. Wer eine Politik der Benachteiligung sät, erntet Rassismus und Spaltung.
Darauf haben wir keinen Bock mehr! Wir sind die ewige Leier von deutsch und nicht deutsch, muslimisch und abendländisch, arbeitslos und arbeitend satt. Wir haben alle gemeinsame Interessen: Wir wollen selbstbestimmtes Arbeiten und Zugang zu einer guten (Aus)Bildung! Wir wollen die Möglichkeit zur freien Entfaltung, ohne Angst vor Armut und kriegerischen Auseinandersetzungen!
Dafür braucht es aber mehr als nur ein paar Reformen von SPD, Grüne und Co. Es kann keine Freiheit im Kapitalismus geben! Unsere Zukunft werden wir uns selbst erkämpfen müssen.
Um uns gemeinsam und laut für unsere Interessen stark zu machen gehen wir am 1. Mai auf die Straße.

Gegen Rassismus, Krieg und Ausbeutung.

Schließt euch uns an im Jugendblock auf der revolutionären 1. Mai Demonstration!

1. Mai 2015 | 18:00 Uhr | Spreewaldplatz

Gemeinsam statt einsam! Komm vorbei, du hast ja frei!