NAZIS RAUS: Rechte Mobilisierung zum 1. Mai in Berlin
von: Antifaschistisches Recherchenetzwerk Berlin, Indymedia 12.04.2026
https://de.indymedia.org/node/728174
Rechtsextreme Gruppen aus dem Umfeld von DJV, „Heimat“ und JN planen offenbar eine Demonstration zum 1. Mai in Berlin, vermutlich im Bereich Sonnenallee. Ziel ist es, soziale Themen für ihre Ideologie zu instrumentalisieren und kurzfristig Gegenprotest zu erschweren. Die Strukturen arbeiten enger zusammen und stehen teils im Fokus von Ermittlungen wegen Gewalt- und Waffenstraftaten. Antifaschistische Gruppen rufen zur Gegenmobilisierung auf, um den 1. Mai als Tag sozialer Kämpfe zu verteidigen.
Nach aktuellen Recherchen verdichten sich die Hinweise, dass neonazistische Strukturen aus dem Umfeld von DJV, „Heimat“ und JN versuchen, in Berlin eine groß angelegte Demonstration rund um den revolutionären 1. Mai zu organisieren. Übereinstimmenden Informationen zufolge soll diese Mobilisierung im Raum Sonnenallee stattfinden – einem Ort, der wie kaum ein anderer für migrantisches Leben, Vielfalt und soziale Realität in dieser Stadt steht. Dass ausgerechnet hier rechte Akteur*innen unter dem Motto „Wir sind das arbeitende Volk“ auftreten wollen, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer gezielten Strategie: Sie versuchen, soziale Fragen zu vereinnahmen und in ihrem völkisch-nationalistischen Sinne umzudeuten. Anmelder der Demonstration soll nach unseren Informationen ein Vertreter der Neonazistischen Kleinpartei "Die Heimat" sein
Geplant ist offenbar, die Demonstration kurzfristig am 28. April anzumelden. Dieses taktische Vorgehen – kurzfristige Anmeldung, geringe öffentliche Vorlaufzeit – deutet darauf hin, dass die Organisator*innen versuchen, Gegenprotest zu erschweren und interne Mobilisierung im Verborgenen zu halten. Ähnliche Muster waren bereits im vergangenen Jahr zu beobachten, etwa bei Aufmärschen des sogenannten „3. Weges“ in Berlin-Hellersdorf. Die extreme Rechte setzt zunehmend auf flexible, schwer kalkulierbare Aktionsformen, um ihre Präsenz auf die Straße zu bringen.
Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass diese Strukturen keineswegs isoliert agieren. Bereits in den letzten Monaten wurde deutlich, dass DJV, „Heimat“ und JN enger zusammenarbeiten. So kam es am 29. November 2025 in Berlin zu einer gemeinsamen Demonstration unter dem Motto „Freiheit für alle politischen Gefangenen“. Dieser Aufmarsch wurde jedoch durch entschlossenen antifaschistischen Widerstand von mehreren hundert Menschen blockiert und schließlich zum Abbruch gezwungen. Die Forderungen der Neonazis machten dabei deutlich, worum es ihnen tatsächlich geht: Unter anderem wurde die Freilassung von Julian Milz propagiert, einem einschlägig bekannten Neonazi, der nach mehreren gewalttätigen Angriffen auf Antifaschist*innen im Kontext der „Deutschen Jugend Voran“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.
Auch darüber hinaus laufen gegen zahlreiche Personen aus diesem Spektrum weiterhin Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Raub, Körperverletzung und illegalem Waffenbesitz. Die vermeintliche „soziale“ Rhetorik dieser Gruppen steht damit in klarem Widerspruch zu ihrer tatsächlichen Praxis: Gewalt, Einschüchterung und menschenfeindliche Ideologie.
Der 1. Mai selbst ist seit jeher ein Kampftag der Arbeiter*innenbewegung, ein Tag des Widerstands gegen Ausbeutung, Unterdrückung und soziale Ungleichheit. Dass Neonazis versuchen, diesen Tag für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, ist ein Angriff auf seine Geschichte und Bedeutung. Bereits im vergangenen Jahr versuchten Akteur*innen der DJV im Anschluss an einen rechten Aufmarsch in Gera, die dortigen 1.-Mai-Proteste zu stören. Damals wurden sie jedoch in Berlin nahe Ostkreuz von der Polizei gestoppt und teilweise in Gewahrsam genommen.
Ob sie in diesem Jahr erneut versuchen werden, ihre Pläne umzusetzen, bleibt offen. Doch unabhängig davon gilt: Antifaschistischer Widerstand ist notwendig und legitim. Es darf keinen Raum geben für rechte Hetze, weder in Berlin noch anderswo. Der öffentliche Raum gehört allen – und insbesondere jenen, die für Solidarität, Gleichberechtigung und eine gerechte Gesellschaft eintreten.
Der 1. Mai ist und bleibt ein Tag des gemeinsamen Kampfes für soziale Rechte, für eine solidarische Gesellschaft und gegen jede Form von Faschismus. Wir lassen nicht zu, dass Neonazis diesen Tag vereinnahmen oder zerstören. Ihre Ideologie hat keinen Platz – nicht auf den Straßen, nicht in den Köpfen, nirgendwo.
Wir fordern Antifaschist*innen auf: Raus auf die Straße zum 1. Mai!
