Tradition: Revolutionärer 1. Mai in Kreuzberg


erstellt am: 24.03.2009

Der Ursprung des heutigen Revolutionären 1. Mai in Kreuzberg und die Tradition der seit 1988 von der radikalen Linken organisierten revolutionären 1.-Mai-Demos ist die Kreuzberger Revolte vom 1. Mai 1987. In Kreuzberg gab es aber auch schon vorher eine lange Tradition von Widerstand am 1. Mai. So wurden bereits 1968 und in den darauf folgenden Jahren von außerparlamentarischen Gruppen und Organisationen (K-Gruppen und Spontis) große 1.-Mai-Demos durch den Stadtteil durchgesetzt.

Die Initiative der radikalen Linken für die erste eigenständige revolutionäre 1.-Mai-Demo aus dem Stadtteil Kreuzberg heraus ist jedoch nicht allein auf die Ereignisse am 1. Mai 1987 zurückzuführen, sondern hatte einen organisatorischen Vorlauf. In den Jahren 1986 und 1987 hatte sich schon am 1. Mai auf der vom DGB veranstalteten 1.-Mai-Demo jeweils ein internationalistischer schwarz-roter „Betroffenenblock“ formiert, der die Probleme wie Mietwucher, Spekulantentum, Sklavenarbeit (Zeitarbeitsfirmen) und die schlechten Lebensbedingungen von ArbeitsmigrantInnen thematisierte. Die damalige DGB-Führung verweigerte dem Block, mit einem Vertreter auf der Abschlusskundgebung zu sprechen. Stattdessen solidarisierte sich DGB-Chef Pagels mit dem brutalen Polizeieinsatz, der erfolgte, um den Block auseinanderzutreiben.

Das am 1. Mai 1987 gleichzeitig stattfindende 1.-Mai-Fest von Basisinitiativen und revolutionären Organisationen wurde durch Hundertschaften der Polizei gestürmt und aufgelöst. Daraus entwickelte sich ein stundenlanger Kiezaufstand mit Barrikadenkämpfen und Plünderungen, in deren Verlauf sich die Bullen aus dem Stadtteil zurückziehen mussten.
Dieses Ereignis nahm die radikale Linke zum Anlass, seit dem 1. Mai 1988 zu einer selbstorganisierten revolutionären 1.-Mai-Demo im Stadtteil aufzurufen. Die massive Beteiligung an den revolutionären 1.-Mai-Demonstrationen mit zeitweilig bis zu 15.000 Menschen zeigte deutlich, dass viele die Schnauze voll hatten von den 1.-Mai-Feiern des DGB und der von ihm propagierten Sozialpartnerschaft.

Die Aufrufe zur revolutionären Veränderung in der Mobilisierung war den Herrschenden immer ein Dorn im Auge, jedoch konnten bis heute weder brutale Knüppeleinsätze der Polizei noch Demoverbote die Tradition des Revolutionären 1. Mai in Berlin-Kreuzberg verhindern. Die Geschichte des Revolutionären 1. Mai in Berlin hatte auch dazu geführt, dass in vielen anderen Städten selbstorganisierte revolutionäre und autonome 1.-Mai-Demonstrationen organisiert werden.


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